Donnerstag, 23. April 2015

Völliger Zusammenbruch & das Leben geht weiter





Gestern Nacht: Ausnahmezustand.
1 h telefoniert mit meinem Ex-Freund. Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Und Janine (Name geändert) ist ja so süß. Er schwärmt, redet von Proben, unserem Sportprojekt. Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Redet von den mündlichen Prüfungen, von dem Geburtstag seiner Mutter, redet von der geplanten Fahrradtour am 1. Mai. Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Was ich sagen möchte, wäre Kummer, negativ. Ich hab ihm seinen Egoismus vorgeworfen. Er will nichts davon hören, dass ich verletzt bin. Wir haben uns nichts mehr zu sagen, sagte er wörtlich. Aber er redet mehr denn je. Und ich? Ich rede negativ. Mache ihn fertig für jede Kleinigkeit. Rache? Vielleicht. Er war so entmutigend, so erniedrigend zeitweise.

Ich habe Musik gelebt bevor ich ihn kannte. Heute mache ich es nur noch im Stillen aus Angst wieder so harte Worte zu hören.

Nach dem Telefonat fing ich an zu weinen, bitterlich. Ich hätte am liebsten geschrien, mir die Arme aufgeschnitten, mich vor den Zug geworfen. So viel Schmerz, so viel Trauer, so viel Wut. Ich bin zu meinem Vater, der im Wohnzimmer saß und am PC war. Ich hab ihn angeschaut, bin zu ihm auf die Couch, hab mich an ihn gekuschelt und nur noch geweint. Ich hab ihm gesagt, dass ich ihn lieb habe, dass ich ihn brauche, dass wir zu wenig miteinander machen, dass ich mich alleine fühle und das Gefühl habe, der ganzen Welt nur auf die Nerven zu gehen. Es geht um so viel mehr als die Trennung.
Mein Vater ist momentan erkältet, aber er war trotzdem bis um halb 12 mit mir auf und hat mich in den Arm genommen. Danach habe ich geschlafen. Heute bin ich dementsprechend müde.

Gestern wünschte ich, dass die Welt aufhört, sich für mich zu drehen. Aber sie tut es immer noch.

Also ging auch mein Leben weiter. Voller Trauer bin ich noch immer. Es ist so schwer, ihn jeden Tag in der Schule zu sehen oder gar positiv in das Leben zu gehen, wenn ich seine Worte im Kopf habe. "Du hörst dich schrecklich an." "Meine Eltern sind der Meinung, dass es besser wäre, wenn du keine Musik später machst.", "Du kommst so süß und naiv rüber.", "Ha, da war schon wieder ein Fehler!", "Du musst echt mehr üben.", "Kein Wunder, dass du nie irgendwo spielst, so wie du dich anstellst.".

Ich hab in den letzten 2 Jahren vergessen, für wen ich eigentlich spiele. Heute hab ich wieder Orgel geübt. Eine Frau war in der Kirche, ich sehe sie häufig. Sie hört regelmäßig zu, wenn ich übe. Aber sie hat mich noch nie gesehen, weil sie immer später als ich kommt und früher als ich geht. Heute hat sie mich gesehen. Sie hat sich ein paar Choräle gewünscht, ganz ehrlich. Ich habe sie ihr gespielt. Weil es das höchste bedeutet hat für diese Frau. Nächstes Mal kriegt sie ihr Marienlied. Sie kam hoch zur Orgel: "Vergelt's Gott." Sie war so erfreut und ich hab mich bei ihr bedankt, mehrfach.

Ich spiele für die Leute, denen ein Lied das höchste bedeutet. Die einfach glücklich sind, zuzuhören. Und ich spiele nicht für die, die in jeder Note etwas finden. Zumal mein Ex keine Ahnung vom Orgelspiel oder Klavierspiel hat.

Danach bin ich nach Hause, später hatte ich Fahrschule. Ich bin einfach gefahren ohne an seine Worte zu denken, dass er ja schon längst fertig gewesen ist nach ein paar Wochen und warum ich denn solange brauche. Keiner mehr, der mich verlacht, wenn ich sage, dass ich Angst habe vorm Autofahren. Es gibt anderen, denen geht es ähnlich.

Morgen wird wieder mein ewiglanger Tag. Voll mit Musik, voll mit Herausforderungen. Und ich höre seine Worte im Kopf "Du musst mehr tun, du kannst das noch gar nicht." "Immer so negativ, glaub mal an dich." "Kein Wunder, dass du immer negative Kritik erntest, wenn du nie was machst, was du kannst."
 Ich bin da zum lernen. Nicht, damit ich schon alles perfekt kann.

Vielleicht werde ich mehr erreichen, weil ich lernen wollte, weil ich nicht immer den bequemen Weg gehe.
Also dreht es sich weiter. Mit meinem ganzen Kummer und meiner Trauer und ich finde die Musik wieder.

Kommentare:

  1. Danke für deinen Musikpunkt. Ich musste ein bisschen lächeln, als ich las, dass du Klavier und Orgel spielst, da ich gerade Scriabin höre.
    Ein Instrument zu spielen ist so harte Arbeit. Aber irgendwo lohnt es sich. Denke ich und es ist schön zu hören, dass du die Musik wieder findest.

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  2. Ich weiß nicht wieso aber mich hat der Text fast zum weinen gebracht..

    Viel Erfolg und lass dich nie mehr von jmd schlecht reden! Alleine das du etwas kannst ist schon sehr viel wert und ich bin sicher das alle die etwas anderes behaupten einfach keine Ahnung von Musik und der Mühe und Kraft dahinter haben.

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  3. Hut ab vor deinem Mut, das alles hier zur schreiben! Ich wünsche dir viel Erfolg, egal, was du anfasst! Verlasse dich auf dein Gefühl und versuche die anderen auszublenden! Trotzdem ein schönes Wochenende! Verena

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    1. Vielen Dank, Verena!
      Ich hoffe, du hattest auch ein schönes Wochenende.

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  4. Liebe Lisa <3
    Das macht überhaupt nichts!

    Danke für deine Antwort. Sie war so wunderschön. Ich möchte deine Worte niemals mehr vergessen. <3

    Ich bin mir sicher, dass viele Menschen kommen würden. Du bist ein Mensch, um den viele trauern würden, denn du bereicherst das Leben so sehr.

    Doch ich hoffe, dass du noch lange da sein wirst!

    "Also dreht es sich weiter. Mit meinem ganzen Kummer und meiner Trauer und ich finde die Musik wieder." Ich liebe diesen Satz. Weil du sagst, dass du die Musik wiederfindest. Es ist so wunderschön, dass du sie findest. Ich wünsche dir, dass du sie immer und immer und immer wieder findest.

    Pass auf dich auf
    Lovely

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